Samstag, 8. Oktober 2011

Perry Rhodan: PAN-THAU-RA - Band 1: Die Lebenskrieger von Frank Borsch

Taschenbücher nahmen innerhalb der PERRY RHODAN-Serie schon immer eine besondere Stellung ein. Bereits 1964, also rund drei Jahre nach dem Start der Heftserie, erschien mit Planet der Mock von Clark Darlton der erste PERRY RHODAN Planetenroman. Die Reihe, die oft lose Handlungsstränge aus der Welt von PR aufgriff oder vertiefte, wurde im Jahr 1998 nach 415 Titeln eingestellt. Es sah damals fast so aus, als ob für Romane, die querbeet im Perryversum spielten, kein Platz mehr war.


Diese Annahme stimmt allerdings nicht ganz, wie der Erfolg der Minizyklen wie Andromeda, Odyssee oder Lemuria zeigt. Allerdings setzen diese auf ein völlig anderes Konzept als die alte Taschenbuchreihe: in mehreren Bänden wird ein fest umrissenes Themengebiet abgehandelt und zum Abschluss gebracht. Außerdem sind die Romane so geschrieben, dass auch ein Leser, der die über 2300 PR-Heftromane nicht kennt, mit der Geschichte zurecht kommen kann.

Der PAN-THAU-RA-Zyklus, der wie seine Vorgänger beim Heyne Verlag erschien, setzt auf das gleiche Konzept, auch wenn man hier einige neue Wege beschreiten wollte. Die Zahl wurde von sechs auf drei Bücher reduziert, der Zyklus fand seine Veröffentlichung in der so genannten Premium-Reihe des Verlags. Der erste Band von PAN-THAU-RA erschien im November 2005.

Der erste Roman des Zyklus, geschrieben von Frank Borsch, wird in einer verschachtelten Handlung erzählt, die für einen PR-Roman etwas untypisch ist. Die erste Handlungsebene schildert die Invasion der Loower auf das ehemalige Sporenschiff aus der Sicht einer einfachen Soldatin, die mit ihrer neunköpfigen Einheit in den Einsatz geht. Das Schiff soll um jeden Preis erobert werden. Koste es, was es wolle. Millionen von Loowern starten eine Invasion, die mehr wie ein radikaler Vernichtungskrieg wirkt. Die Bewohner der PAN-THAU-RA, die so genannten „Flachaugen“ werden von den Invasoren ohne Gnade ausgelöscht. Dabei ist es egal, ob es sich um Männer, Frauen oder Kinder handelt. Für die Loower sind diese Lebewesen nicht mehr wert als lästige Insekten. Bestärkt durch Drogen dringen die Invasoren weiter in das riesige Raumschiff vor. Viele Tage verbringen sie mit Kämpfen, die die Soldaten abstumpfen lassen. Auch An-Keyt, mit deren Augen wir den Krieg sehen, fällt der Routine anheim. Mit Drogen und Sex lässt sie ihr Dasein bei der Truppe über sich ergehen. Aber dies bringt nicht die ersehnte Ablenkung, nicht die ersehnte Zerstreuung. Eines Abends, nachdem ihre Kollegen im Drogenrausch losgezogen sind, um Flachaugen zu jagen, verlässt sie ihre Einheit, um sich etwas umzusehen. Dabei läuft sie einem Flachauge über den Weg. Die Überraschung steckt so tief in ihr, dass sie nicht in der Lage ist, sich zu wehren. Sie schaut in das Mündungsfeld eines gegnerischen Energiestrahlers und schließt schon mit dem Leben ab. Aber ihr Gegenüber verschont sie. Nachdenklich kehrt sie zu ihrer Einheit zurück. Dort erfährt sie, dass ihre Kameraden ein Blutbad unter dem Gegner angerichtet haben. Nach ihrer Begegnung ist allerdings für An-Keyt nicht mehr alles so wie früher. Sie fragt sich, warum sie verschont wurde. Sie hinterfragt den Sinn der Invasion, ob wirklich alles so ist, wie der Neundenker und das Oberkommando sie glauben machen wollen.

Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit dem Erscheinen einer Trümmerflotte im Gebiet der Praesepe-Koalition. Diese stellt einen Zusammenschluss von Außenwelten dar, die in der LFT eingegliedert ist. Ihre Hauptwelt ist Oxtorne, die auch einen großen Teil der Raumschiffbesatzungen stellt. Nachdem Alarm gegeben worden ist, bricht ein Kontingent von 500 Raumschiffen auf, um die Trümmerflotte abzufangen. Doch bevor die Oxtorner einen Angriff starten können, taucht Perry Rhodan mit einigen Schiffen auf. Mit der Befehlsgewalt, die er als Terranischer Resident hat, kann er gerade noch das Schlimmste verhindern. Gleichzeitig beginnen die Schiffe der Trümmerflotte damit, sich gegenseitig zu beschießen und zu vernichten. Ein Verhalten, das einige Fragen aufwirft. Einer der oxtornischen Kreuzer dringt wider seinen Befehl in die Trümmerflotte ein und wird zusammengeschossen. Nur mit Mühe kann daraufhin der Kommandant des Verbandes davon abgehalten werden, mit aller Härte gegen die Fremden vorzugehen. Es stellt sich dabei heraus, dass in der Galaxis ähnliche Flotten aufgetaucht sind, die sich ohne Rücksicht auf Verluste gegenseitig angreifen. Als sich die Fremden auf einen bewohnten Planeten zu bewegen, spitzt sich die Lage zu. Ein bewaffneter Konflikt scheint nun unvermeidbar…

In der dritten Ebene der Handlung geht es um Yun, einen Bewohner der Eiswelt Snowflake, deren Bevölkerung von den Oxtornern genmanipuliert wurde, damit sie sich ihrer Umgebung besser anpassen kann. Flake, wie sie die Bewohner nennen, ist jene Welt, die in den Kampfbereich der Trümmerflotte gerät. Yun erzählt seine Geschichte so, wie sein Schnabel gewachsen ist, gibt aber dabei Einblicke in das Leben auf der Eiswelt, die wichtig für den weiteren Handlungsverlauf sind. Zusammen mit dem terranischen Wissenschaftler Shon macht er sich auf die Suche nach den Ureinwohnern von Flake, die Tring genannt werden. Unter den Kolonisten gelten diese Wesen als Sonderlinge, doch es stellt sich heraus, dass es hinter ihrem Verhalten einen tieferen Plan gibt. Doch bevor man der Lösung des Problems näher kommen kann, wird Flake von den Trümmerschiffen angegriffen…

Frank Borschs verschachtelte Erzählweise wirkt auf den ersten Blick nicht sehr attraktiv. Doch der Roman entfaltet sich langsam vor den Augen des Lesers zu einem spannenden Werk, dem man sich nur schwer entziehen kann. Beeindruckend sind die intensiven Zeichnungen der Charaktere. Sie werden im Rahmen der Handlung beschrieben und werden dadurch greifbarer. Fesselnd sind auch die Beschreibungen der oxtornischen Kultur, die zwar sehr martialisch wirkt, aber dennoch einen großen Reiz besitzt. Allerdings weisen die Umweltangepassten der Extremwelt teilweise Charaktereigenschaften auf, die man von einem Volk aus einer bekannten SF-Fernsehserie erinnert. Das mag oberflächlich nicht sehr originell wirken, wird aber vom Autor dann auf eine Spitze getrieben, die die Oxtorner dann doch etwas intensiver macht. Sehr eindrucksvoll geschrieben ist der Handlungsstrang um An-Keyt und ihre loowerische Militäreinheit. Man schmeckt quasi die Atmosphäre, die die Fremden atmen, auch wenn ihre Denkweise stellenweise doch etwas zu menschlich geraten ist. Borsch zeigt mit seinem Buch allerdings auch, dass es nicht unbedingt eine Handlung mit der Hauptfigur Perry Rhodan braucht, um einen interessanten PR-Roman zu schreiben. Dabei achtet er darauf, nie zu spezifisch zu werden, denn immerhin sollen ja auch Fans, die mit der laufenden Handlung nicht vertraut sind, mit dem Werk zurechtkommen. Also ein rundherum lesenswerter Roman mit einem großen Unterhaltungswert, dem man kleinere Fehler, wie etwa die Behauptung, dass der „Goshun-See auf Terrania“ (Seite 208) liegt, verzeiht. Sein Reiz geht vielmehr von einer spannenden, lesenswerten Handlung aus.

Ein großer Vorteil an den Taschenbuchzyklen ist, dass man auch als Leser, der sich nicht im Perryversum auskennt, seine Freude mit den Romanen hat. Um den geneigten Leser etwas näher an die PR-Serie heranzubringen, finden sich in allen Ausgaben Anhänge, die sich in Artikelform mit dem Phänomen PERRY RHODAN auseinandersetzen. Rüdiger Schäfer versucht in seinem Beitrag Die Welt ist bunt – Ein Streifzug durch das Perryversum ein stimmiges Bild des PR-Kosmos zu zeichnen. Hierbei gibt er einen interessanten Überblick über die Handlung der Serie ohne eine Sekunde langweilig zu wirken. Dabei liegt sein Augenmerk auf den Ereignissen, die für den PAN-THAU-RA-Zyklus wichtig sind. Der Artikel macht aber nicht nur einem Neuling Spaß, sondern bietet auch für den geneigten Fan einiges Wissenswertes.

Wie schon weiter oben erwähnt, erschien der PAN-THAU-RA-Zyklus im Rahmen der Premium-Reihe des Heyne Verlags. Die meist etwas teureren Bücher glänzen oft mit einer schönen Ausstattung. Auch bei Die Lebenskrieger wurde keine Ausnahme gemacht. Das grafisch sehr stimmige Cover wurde von Oliver Scholl gestaltet, der vor über 20 Jahren als Risszeichner bei der PR-Serie tätig war. So stammt beispielsweise die Risszeichnung der BASIS aus PR-Heft 1100 aus seiner Feder. Seit Ende der 80er Jahre ist er auch als Produktionsdesigner im Filmbereich tätig. Besonders hervorzuheben sind dabei Roland Emmerichs Filme MOON 44, STARGATE und INDEPENDENCE DAY. Das Cover, auf dem auch Kegelraumschiffe der Loower zu sehen sind, ist in einem warmen, satten Goldton gehalten. Zusammen mit den Covern der beiden Folgebände ergibt sich ein komplettes Bild von großem Reiz. Ebenfalls einen edlen Eindruck macht der Schriftzug Perry Rhodan im Goldprägedruck. Ob dies alles den hohen Preis von 12 Euro pro Band rechtfertigt, sei dahingestellt. Auf der anderen Seite wurde der Zyklus auf eine Trilogie reduziert, deren einzelne Bücher etwas dicker sind. Im Bücherregal machen sie neben den anderen Zyklen auf jeden Fall einen sehr guten Eindruck, auch wenn sie etwas größer als ihre Vorgänger sind.

Insgesamt bietet der Auftakt des PAN-THAU-RA-Zyklus alles, was sich ein PR-Fan von einem Roman aus der Serie verspricht. Durch das Buchformat ist der Autor sogar in der Lage, die Geschichte intensiver zu erzählen. Frank Borsch hat diese Chance sehr gut genutzt und so wird Die Lebenskrieger zu einer rundherum gelungenen PR-Mischung.


Perry Rhodan: PAN-THAU-RA
Band 1

Die Lebenskrieger

von Frank Borsch


erschienen im Heyne Verlag im November 2005

ISBN: 3-453-53213-9
Umfang: 528 Seiten

mit einem Anhang von Rüdiger Schäfer

Die Rezension erschien erstmals im Perry Rhodan Jahrbuch 2005


Freitag, 7. Oktober 2011

Die große Perry Rhodan-Fanbox

Eigentlich sollten an dieser Stelle nur Rezensionen zur Büchern erscheinen. Doch nachdem in einem Gespräch Perry Rhodan Weltcon 2011 in Mannheim auf die PR-Archiv-CD-ROMs kam, stellte ich fest, dass die dritte Ausgabe, die unter dem Namen Die große Perry Rhodan-Fanbox im Jahr 2006 erschien, nicht bekannt war. Aus diesem Grund hier die Besprechung der CD-ROM, die im Perry Rhodan Jahrbuch 2006 zu finden war:

Etwas überraschend war es, als im November 2006 mit Die große Perry Rhodan-Fanbox ein weiterer Beitrag zum 45jährigen Jubiläum der PERRY RHODAN-Serie erschien. Überraschend auch deswegen, weil weder in den PR-Heften noch auf der Homepage für dieses Produkt geworben wurde. Auch die Bezugsquellen schienen recht übersichtlich zu sein, denn außer bei den Versandhäusern Pearl und Amazon.de war die CD-ROM nirgends zu finden. Aber damit nicht genug, denn auch auf den Homepages der Macher, die übrigens bei jeder Quelle anders angegeben wurden, war nichts über die Fanbox zu erfahren.

Die CD-ROM ist, wie man es mittlerweile von Datenträgern gewohnt ist, in einer stabilen Amaray-Hülle verpackt, auf der eines der Jubiläumsmotive zu sehen ist. Kaum hat man die Scheibe in den PC gelegt, um eine sehr lahme Entpackungsprozedur des Programms über sich ergehen zu lassen, werden mehr als 500 MB Daten auf den Rechner gespielt. Dabei handelt es sich um das gesamte Angebot, das die Fanbox zu bieten hat.

Nachdem man die Installation hinter sich gebracht hat, kann man das Programm über einen schicken PR-Kopf auf dem Desktop öffnen. Danach wird man von einem sehr altmodischen Menü erschlagen, das die verschiedenen Aspekte der PR-Fanbox überschaubar darstellt.

Ein Herzstück ist eine Verwaltung für einen PR-Club, die sich sehr umständlich bedienen lässt. Zwar kann man viele Möglichkeiten, wie eine Mitgliedererfassung, Bankeinzug oder eine rudimentäre Lagerverwaltung nutzen, doch die Sachen wirken alle ein wenig unausgereift und veraltet. Das gleich gilt für die Online-Sparte, die mit einer Emailoberfläche und einem Chatmodul aufwartet.

Im Bereich Dokumente findet man das, was einem PR-Fan das Herz höher schlagen lässt: eine Zusammenstellung aller PR-Hefte bis Band 2340 mit Titelbildern und Heftzusammenfassungen. Diese Zusammenfassungen stammen von Michael Thiesen und sind zum größten Teil mit den Zeitraffern identisch, die beim SFC Universum erscheinen. Sehr interessant gestaltet sich hierbei die gezielte Volltextsuche, bei der man nicht nur nach Nummern oder Titeln, sondern auch nach spezifischen Begriffen suchen kann. Vorteilhaft, wenn man auf der schnellen Suche nach Informationen ist. Hinzu kommen noch die Titelbilder aller Hefte in einer mehr als annehmbaren Qualität.

Über eine Quickstart-Funktion erreicht man noch einige Gimmicks, die ebenfalls zum Rahmen der PR-Fanbox gehören. Einzeln handelt es sich dabei um das E-Book zum ersten Band der Kosmos-Chroniken, das Hörbuch zu PR 2300, ein nerviges Browserspiel, einen Bildschirmschoner und um ein einzelnes Desktopmotiv, das aus dem Covermotiv des Bandes Das Wunder von Terra gestaltet wurde.

Die große Perry Rhodan-Fanbox ist kein Update der beiden Archiv-CD-ROMs der vergangenen Jahre, sondern vielmehr ein eigenständiges Produkt, das zwar seine kleinen Macken hat, aber für den Nutzer einiges bietet; auch wenn die Clubverwaltungssoftware mit Vorsicht zu genießen ist.

Die große Perry Rhodan-Fanbox
Döbeler Cooperations/Arktis Software/Scout Systems
ISBN: 3-938467-13-4
CD-ROM


Donnerstag, 6. Oktober 2011

Verzögerung durch ein großes Ereignis

Urlaubsbedingt kam es in den letzten Tagen zu kleineren Verzögerungen bei der Veröffentlichung der Rezensionen in meinem Blog. Ein großes Ereignis stand an, das meine volle Aufmerksamkeit benötigte: der Perry Rhodan Weltcon 2011 in Mannheim. Dabei hatte ich, nach dem PR-Weltcon von 1991, erneut die Ehre als Conhelfer tätig zu sein. Die Aktiven die SFC Universum waren dort im Einlaßbereich tätig.

Als ich auf dem letzten Garching Con von dem großen Ereignis hörte, war ich zunächst skeptisch, ob man dieser Weltcon die von Mannheim, Saarbrücken, Karlsruhe und Mainz toppen würde, aber nun, nachdem der Con vorbei ist, kann man getrost sagen: Der Weltcon 2011 hat gerockt!!!

Es wurde den Fans eine rundherum gelungene Veranstaltung geboten, die einfach nur Spaß gemacht hat. So kann man sich schon auf den nächsten Weltcon freuen, der vielleicht in fünf oder auch zehn Jahren stattfinden könnte. Eine Gelegenheit wird sich sicherlich noch bieten.

Aber zurück zum Häxler... Der ist wieder bestückt. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf PR; aus ersichtlichen Gründen. :-)

Den Anfang macht morgen eine Besprechung von Die große Perry Rhodan-Fanbox, hinter der sich nichts anderes als die dritte Ausgabe der PR-Archiv-CD-ROMs verbirgt. Bei einem Gespräch mit einem Fan fiel mir auf, dass ihre Veröffentlichung im Jahr 2006, zum 45jährigen Jubiläum, scheinbar untergegangen ist...


Sonntag, 25. September 2011

Casino Royale von Ian Fleming


Der Auftrag für James Bond ist recht simpel: Er soll LeChiffre, einem Topagenten des russischen Geheimdienst Smersh, die finanzielle Grundlage rauben, damit er gezwungen ist überzulaufen. Man hat 007 für diesen Auftrag ausgewählt, weil er einer der besten Spieler des britischen Geheimdiensts ist. In dem kleinen französischen Badeort Royale, der ein renommiertes Kasino besitzt, stehen ihm der Kontaktmann Mathis, die schöne Vesper Lynd und der amerikanische CIA-Agent Felix Leiter zur Seite. Doch schon schnell zeigt sich, dass LeChiffre und seine Auftraggeber nicht mit offenen Karten spielen...

Wer bei Casino Royale eine Actionfeuerwerk im Stile der Verfilmung mit Daniel Craig erwartet, dürfte enttäuscht werden. Ian Flemings erster Roman um den britischen Doppel-Null-Agenten entpuppt sich vielmehr als spannender Thriller, der durch zahlreiche kleine Details besticht. Auf rund 200 Seiten lässt der Fleming die Welt seiner Figur vor den Augen des Lesers Wirklichkeit werden. So ist beispielsweise das Baccarat-Duell zwischen James Bond und Le Chiffre eines der großen Highlights des Romans. Dabei beschreibt der Autor sehr genau die Empfindungen, die Bond bei dem Spiel um Alles oder Nichts bewegen. Er versucht die Gedankengänge des Gegners zu erraten, was Bond allerdings nicht nur bedingt gelingt. Fleming schafft mit einem LeChiffre einen Schurken, der zwar seinem Aussehen nach einem Klischee entspricht, gibt ihm allerdings Nuancen wie man sie kaum in anderer Romanen findet. Obwohl Casino Royale im Jahr 1953 erschienen ist und es die Sowjetunion mit ihren Geheimdienst nicht mehr gibt, vermag es der Roman auch heute noch zu fesseln. Keine Sekunde wirkt er antiquiert wie andere Werke aus dieser Zeit. Wenn man sich als Leser auf die Gegebenheiten, die Fleming entwirft einlässt, bekommt man Unterhaltungsliteratur auf einem hohen Niveau geboten.

Der neuen Ausgabe beim Heyne Verlag, die zum Start der Neuverfilmung herausgekommen ist, liegt leider die stark gekürzte und teilweise fehlerhafte Übersetzung von Günther Eichel aus dem Jahr 1960 zugrunde, die zuerst im Ullstein Verlag erschienen ist. So wird man auch jetzt einige Kleinigkeiten, die den Reiz von Flemings Stil ausmachen, nicht finden, was sehr schade ist. Gerade die Neuverfilmung wäre eine gute Gelegenheit gewesen die Fehler der Vergangenheit zu beheben. Aber auch wenn die Übersetzung nicht so ist wie sie sein sollte, strahlt der Roman dennoch einen starken Reiz aus. Vor allem der Vergleich zwischen dem literarischen und filmischen Bond bietet dabei einen sehr großen Reiz. So wird Casino Royale doch noch zu einem kurzweiligen Lesegenuss.

Casino Royale
von Ian Fleming
erschienen beim Heyne Verlag im Dezember 2006
ISBN: 3-453-5037-7
Umfang: ca. 225 Seiten

Samstag, 24. September 2011

The Rocketeer von Dave Stevens


Es ist mehr Zufall als Cliff Secord, seines Zeichens Pilot in einer Flugshow, ein geheimes Regierungsprojekt in die Hände fällt, das genau in seine Richtung geht. Es handelt sich dabei um einen Raketenrucksack, der entwickelt wurde, um eine wirksame Waffe gegen die Nazis zu haben. Und tatsächlich sind auch kurz darauf deutsche Agenten ihm auf den Fersen, um in Besitz der Rakete zu kommen. Dies kann Secord nicht zulassen und mit Hilfe seines Freundes Peevy wird er zu einem ganz besonderen Helden; er wird zum Rocketeer.

Cross Cult legt mit dem sehr opulent ausgestatteten Band, der im Dezember 2010 erschien, zum ersten Mal alle Abenteuer von Nick Secord in deutscher Sprache vor. Als Vorbild diente die exzellente amerikanische Gesamtausgabe, die 2009 bei IDW erschien. Was aber macht das Comic von Dave Stevens so besonders und fast 30 Jahre nach seiner Entstehung noch interessant für den Leser?

Mit Sicherheit ist es Stevens interessanter Zeichenstil, der die 30er Jahre vor den Augen des Lesers entstehen lässt. Dabei bedient er sich liebevoll der Stilmittel, die auch beispielsweise Indiana Jones zum Hit gemacht haben. Vor allem in den alten Serials erkennt man einige Vorbilder für The Rocketeer, die ihren Helden zum Ende einer Folge immer wieder in einer scheinbar ausweglosen Situation zurücklassen, aber dennoch gemeistert wird. Reizvoll ist auch der plakative Zeichenstil von Dave Stevens, der für seine Pinups berühmt war und auch in The Rocketeer einiges in dieser Richtung untergebracht hat. So erinnert das Aussehen von Cliffs Freundin Betty stark an Bettie Page, deren Pinups in den 50er Jahren in fast jedem amerikanischen Spint zu finden waren. Interessant sind aber auch die literarischen Anspielungen auf einige der großen Pulphelden, von denen viele heute vergessen sind. So erkennt man in einer Geschichte deutlich zwei Freunde des berühmten Doc Savage. Eine großen Auftritt hat auch ein Meister der Verwandlung, der unter anderem eines der großen Vorbilder für Batman war: The Shadow.

Auch wenn man die Reminiszenzen auf diese Vorbilder nicht kennt, machen die Geschichten Spaß. Für die deutsche Veröffentlichung wählte Cross Cult ein etwas größeres Format, was dem detaillierten Stil von Dave Stevens sehr entgegegen kommt. Sehr angenehm ist auch die Colorierung durch Laura Martin, die diese etwas an die modernen Standards anpasste, aber dabei nicht das Vorbild aus den Augen verlor.

Abgerundet wird die Gesamtausgabe von einem informativen Vorwort von Übersetzer Christian Langhagen und einem interessanten Artikel über das THE ROCKETEER-Phänomen von Christian Endres. Neben einem Porträt von Dave Stevens wird hier auch auf die leider sehr unterschätzte Verfilmung des Stoffes durch Joe Johnston im Jahr 1991 eingegangen, an der der Schöpfer der Serie ebenfalls beteiligt war. Auch wenn dem Film kein so großer finanzieller Erfolg war, gilt er heute nicht nur als Geheimtipp unter den Comicverfilmungen, sondern auch zu einer der wenigen, die sich sehr nah an der Vorlage bewegen. Johnston, der als Tricktechniker bei George Lucas begann und der Schöpfer von Boba Fett ist, bewies 2011 mit Captain America: The First Avenger erneut sein Händchen für eine pralle Comicverfilmung im Retrodesign.

Auch wenn der Preis von rund 30 Euro für das Buch anfangs etwas erschrecken sollten, so bekommt man für sein Geld ein exzellente Druckqualität geboten, die den Zeichnungen sehr gerecht wird. Ein absolut runden Paket, an dem jeder Comicfan seine Freude hat.

Übrigens hat der amerikanische Comic IDW damit begonnen eine neue Reihe von Rocketeer-Abenteuern zu veröffentlichen, für die jede Menge große Namen der Szene gewonnen werden können. Wann allerdings diese in deutscher Sprache erscheinen wird, steht noch nicht fest. Aber Cross Cult ließ bereits leicht durchblicken, dass auch in Deutschland die Abenteuer des Rocketeer fortgesetzt werden...

THE ROCKETEER
von Dave Stevens
erschienen bei Cross Cult im Dezember 2010
ISBN: 978-3-941248-36-6
Umfang: 164 Seiten