Donnerstag, 9. Mai 2013

Der Friedensstifter

Zuerst sieht es nach einer diplomatischen Routinemission aus. Kurz nachdem Captain Kirk auf der Enterprise eine Trauung vollzogen hat, schickt die Sternenflotte das Raumschiff in das Nevissystem, wo sich die beiden Planeten Prastor und Distrel seit mehr als zwölftausend Jahren bekriegt haben. Nun wurde überraschend Frieden geschlossen. Warum dies geschehen ist, soll die Crew der Enterprise klären. Vor allem auch deswegen, weil die beiden Kontrahenten über einen Technologie verfügen, die weit über der der Föderation steht. Tatsächlich werden Kirk und seine Leute bereits erwartet. Mehr noch, sie werden wie alte Freunde empfangen und zu Feierlichkeiten auf Distrel eingeladen. Dort treffen sie auch auf den Friedensstifter, der niemand anders ist als Harry Mudd. In seiner ganz eigenen geschickten Art schaffte er es von dem Planeten der Androiden, in dem ihn Kirk zurückgelassen hatte, zu entkommen, auch wenn er eine seiner Wächterinnen in Gestalt seiner Exfrau mitnehmen musste. Auf wundersame Weise konnte er den Grund des Krieges beseitigen, der nicht nur oberflächlich betrachtet mehr als trivial wirkt.

Kirk und Spock trauen dem Frieden nicht, vor allem aber auch nicht Harry Mudd, der nach ihrer Ansicht etwas im Schilde führt. Doch für lange Überlegungen ist nicht viel Zeit, denn unerwartet brechen die Kampfhandlungen wieder auf, wobei Mudd zwischen die Fronten gerät. Das gleiche Schicksal teilt auch die Crew der Enterprise, für die nun ein Kampf ums Überleben beginnt…

Die direkte Fortsetzung der Star Trek-Episode I, Mudd wartet auf den ersten Blick mit einer einfach gestrickten Story auf, die allerdings später einiges Potential zeigt. Das Misstrauen der Sternenflotte gegenüber dem plötzlichen Friedens im Nevissystem erscheint ebenfalls plausibel. Vor allem auch deswegen weil sowohl die Prastorianer als auch die Distrelianer über eine Transportertechnologie verfügen, die alles in der Föderation in den Schatten stellt. Aber die Völker haben keinerlei Ambitionen diese gegen andere Völker einzusetzen, weil sie viel zu viel mit sich selbst beschäftigt sind.

Was wie eine Posse beginnt entwickelt sich schnell zu einem ernsten Spiel, wobei es Autor Jerry Oltion gelingt die Essenz der originalen Star Trek-Serie einzufangen. Seine Geschichte entwickelt sich stetig weiter, bietet eine ganze Menge Wendungen, von denen der Tod der üblichen Redshirts nur der Anfang ist. Es fällt auf, dass Oltion seine Protagonisten nicht schont, sondern sogar bei den Kampfhandlungen sehr konsequent ist. Einen Stich ins Herz bekommt der Fan, wenn er lesen muss wie Scotty, Sulu, Chekhov und sogar Captain Kirk bei der Mission über die Klinge springen. Unmöglich? In diesem Roman nicht, da der Autor die Tode nutzt, um auf wichtige Plotelemente hinzuweisen, deren Wichtigkeit sich im weiteren Handlungsverlauf zeigt. Gegen Ende wird ein beeindruckendes Gesamtbild gezeichnet, das einer gutgeschriebenen Episode aus der Serie, vielleicht sogar dem einen oder anderen der Kinofilme in Nichts nachsteht.

Oltion verpackt verwebt die Handlung nicht nur mit einem gehörigen Schuss Humor. Er versetzt sie mit einer Portion Action und der Frage, welchen Sinn Kriege eigentlich haben. Allein schon die Tatsache der Trivialität des Konfliktgrunds zwischen Prastor und Distrel zeigt starke Parallelen zu irdischen Kriegen, bei denen es oft um ähnliche Dinge gegangen ist. Geschickt wird so auch ein gewisser philosophischer Hintergrund mit eingebracht, den man bei Star Trek eigentlich auch erwarten sollte.

Der vierte Band der klassischen Star Trek-Serie bei Cross Cult lebt außerdem noch von einer sehr guten Übersetzung von Bernhard Kempen, die es vermag dem Flair des Gesamtprodukts gerecht zu werden. Perfekt sind Dialoge und Handlungsstränge umgesetzt, Übersetzungsfehler, wie sie beispielsweise früher bei Star Trek: Titan aufgetreten sind, bemerkt man nicht.

Wer Star Trek-Romane mag wird mit Der Friedensstifter voll bedient. Die Handlung beginnt locker und entwickelt sich in ihrem Verlauf stark weiter. Auf rund 300 Seiten bekommt man ein klassisches Abenteuer von Captain Kirk und seiner Crew geboten mit dem man als Leser jede Menge Spaß hat.

Star Trek - Die originale Serie, Band 4
Der Friedensstifter
von Jerry Oltion
erschienen bei Cross Cult im Januar 2013
Übersetzung von Bernhard Kempen
Umfang: 314 Seiten
ISBN: 978-3-86425-144-3

Diese Rezension entstand mit freundlicher Unterstützung von fictionfantasy.de


Sonntag, 17. März 2013

Skyfall

Die Mission von James Bond ist es in Istanbul an eine gestohlene Datei heranzukommen, in der sich die Namen aller Agenten befinden, die Undercover in diversen Terrororganisationen arbeiten. Es droht eine Katastrophe, wenn diese Daten veröffentlicht werden. Jahrelange Infiltrationsarbeit wäre umsonst, das Leben der Agenten keinen Pfifferling mehr wert. Obwohl Bond sich anstrengt gelingt es ihm nicht der Datei habhaft zu werden. Vielmehr wird sein Vertrauen zu M auf eine harte Probe gestellt, als diese im letzten Moment den Tötungsbefehlt für seinen Gegner gibt und der Superagent dabei angeschossen wird. Er beschließt danach für einige Zeit zu verschwinden.

Gleichzeitig gerät M unter Beschuss der englischen Regierung, wird aber auch nach einem Anschlag auf MI-6 von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der sinistere Silva, der der Agentendatei habhaft geworden ist, steckt hinter diesem Anschlag. Das Computergenie droht damit die Liste zu veröffentlichen, wenn M sich nicht in seine Hände begibt. Guter Rat ist teuer, denn es gibt nur einen Agenten, der den Schurken aufhalten kann… Bond… James Bond!

Nach dem eher unbefriedigenden Ergebnis von Ein Quantum Trost stellte sich bei vielen Bond-Freunden die Frage, wie der weitere Weg des Franchises aussehen würde? Zwar hatte der 22. Bond sich an der Kinokasse als erfolgreich erwiesen, doch bei den meisten Fans war er durchgefallen. Etwas zu sehr hatte man sich an mittlerweile gängige Actionklischees, die bei den Jason Bourne-Filmen noch originell wirkten, aber irgendwie nicht richtig zu James Bond passen wollten. Quantum war überraschend unrund, was bei einem Regisseur wie Marc Foster eigentlich sehr ungewöhnlich war. Sicher, man bekam ein riesiges Actionfeuerwerk geboten, aber dennoch fehlte genau das, was den Charme von Casino Royale ausgemacht hatte.

Erschwerend hinzu kam auch noch die finanzielle Situation des produzierenden Studios MGM/UA, die sich zu einer drohenden Insolvenz zuspitzte. Von der Zahlungsunfähigkeit des ehemals größten Filmstudios der Welt waren jede Menge Projekte betroffen, von denen vielen wieder in den Schubladen der Produzenten verschwanden. Andere Vorhaben, deren Erfolg außer Frage stand, verzögerten sich. Vor allem die Realisierung der The Hobbit-Trilogie war davon betroffen, aber auch das James Bond-Franchise. Eine Tatsache, die den Machern hinter den Kulissen etwas mehr Zeit für die Überlegungen zu dem Film gab, der immerhin das 50jährige Jubiläum der Reihe repräsentieren sollte.

Hinter den Kulissen verlagerten sich die kreativen Kräfte etwas, denn nun nahm auch Darsteller Daniel Craig etwas mehr Einfluss auf seine Rolle. Schon in frühen Interviews ließ er durchblicken, dass es ihm lieber wäre, wenn sich seine Filme wieder etwas mehr den klassischen Filmen von Guy Hamilton oder Terence Young orientieren würden. Auch liebgewonnene Nebencharaktere wie Q oder Miss Moneypenny sollten wieder einen Weg in die Serie finden. Mit Sam Mendes fand man einen Regisseur, der nicht unbedingt für seine gigantischen Actionfilme bekannt ist. Der Macher von American Beauty, für den er auch einen Oscar gewonnen hat, war definitiv ein Wunschkandidat von Craig, da beide schon erfolgreich bei  Road To Perdition zusammengearbeitet hatten. Und mit Javier Bardem, ebenfalls ein Gewinner eines Academy Awards, hatte man auch einen Darsteller gefunden, der einem traditionellen Bond-Gegner das richtige Format geben konnte. Das ursprüngliche Drehbuch wurde wieder von Neal Purvis und Robert Wade verfasst, die abschließende Bearbeitung übernahm diesmal John Logan (Gladiator, Last Samurai). Dieser erwies als solcher Glücksfall, dass er für die nächsten beiden Bond-Filme komplett das Script übernehmen wird.

Nach allen Querelen im Hintergrund kam Skyfall Ende 2012 in die Kinos, wo er wie eine kleine Atombombe einschlug. Er erwies sich für die angeschlagene MGM/UA tatsächlich als die erwartete Cashcow. Er wurde nicht nur einer der erfolgreichsten Filme des Jahres, sondern wurde auch mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter zwei Oscars und ein Golden Globe.

Tatsächlich orientiert sich Skyfall wieder etwas mehr an den klassischen Motiven der Serie. Daniel Craig wirkt wesentlich drahtiger als in seinen vorgegangenen Filmen, die Action ist wieder so wie man sie von einer Film dieser Art gewohnt ist und auch viele der liebgewonnen Elemente findet man wieder. Zwar kann niemand Desmond Llewelyn als Q wirklich ersetzen, aber Ben Whishaw gibt sein bestes den neuen Quartermaster von MI-6 als nerdigen Computerwiz zu spielen. Ebenfalls eine kleine Modernisierung hat Miss Moneypenny durchgemacht. Sie ist anfangs noch nicht die Vorzimmerdame von M, was der Figur einiges an Potential gibt. Außerdem erweist sich die Wahl von Naomie Harris für diese Rolle als wahrer Glücksgriff. Einen großen bereits besitzen auch einige sehr konsequente Subplots, deren Verlauf für den ein oder anderen Fand etwas schmerzhaft sind, aber dennoch ihren Reiz haben.

Als weiterer Glücksgriff erweist sich auch die Wahl von Thomas Newman als Komponist des Soundtracks. Er löst nach rund fünfzehn Jahren David Arnold ab, der wegen seiner Arbeit für die Olympischen Spiele 2012 in London diesmal keine Vertonung abliefern konnte. Newman setzt auf einen breiten orchestralen Sound, der stark an die Beiträge von John Barry zum Franchise erinnert. Aber auch wenn er auf die klassischen Motive setzt, gibt er seinem Soundtrack einiges von seinem eigenen Stil mit. Dabei versteht er es genau auf die Wünsche des Regisseurs einzugehen. Nicht verwunderlich, denn Newman hat mit Sam Mendes bereits bei mehreren Projekten zusammengearbeitet.

Ganz wichtig bei einem Bond-Film ist natürlich auch die Auswahl des richtigen Songs für den Vorspann. Auch hier hat John Barry mit seinen Beiträgen Maßstäbe gesetzt wie beispielsweise Goldfinger oder Diamantenfieber beweisen. Nachdem sich bei Quantum Jack White als eher fragwürdige Wahl erwies, setzte man bei Skyfall auf eine gewaltige Frauenstimme. Tatsächlich verleiht das Stimmvolumen der Sängerin Adele dem Song aus ihrer Feder den letzten Schliff. Schon beim bloßen anhören spürt man in welche Richtung der Film gehen wird. Und eben weil sie sich etwas mit dem Stoff auseinandergesetzt hat, ist der Song zu Skyfall einer der besten Beiträge dieser Art in der Serie.

Wie schon sein Vorgänger wurde Skyfall mit digitalen Kameras gedreht. Aus diesem Grund lässt das Bild der Blu-ray nichts zu wünschen übrig. Die Farben wirken natürlich, der Schwarzwert ist optimal und auch der Kontrast ist auf höchstem Niveau. Die außerordentliche Schärfe hat mit ihrer Detailgenauigkeit absolute Referenzwerte.

Naturgemäß kommt die englische Originaltonspur in DTS-HD Master Audio etwas brachialer über die Lautsprecher als die deutsche rüber. Die deutsche Tonspur beeindruckt aber dennoch mit einer sehr schönen Abmischung, die den Charakter des Films unterstreicht. Auch hier wird der Zuschauer perfekt bedient.

Etwas mager ausgefallen für einen Jubiläumsfilm ist die Sonderausstattung. Es werden zwei informative Audiokommentare sowie ein ausführliches Making of geboten. Das restliche Füllmaterial ist etwas dürftig ausgefallen. Kein Vergleich mit der üppigen Ausstattung der Jubiläumsbox mit allen Filmen. Daraus hätte man etwas mehr machen können.

Es ist ganz klar: Der Reboot vom Reboot hat einwandfrei funktioniert. Scheinbar hat der Daniel Craig-Bond seinen Kurs nach zwei Filmen nun endlich gefunden. Das Besinnen auf die alten Traditionen des Franchises und deren Kombination mit neuen Elementen bilden ein perfektes Bild. Auch die technische Umsetzung auf Blu-ray lässt keine Wünsche offen. So bekommt man nicht nur einen sehr guten James Bond-Film geboten, sondern auch Actionkino auf höchstem Niveau. Absolut empfehlenswert!!!

Skyfall
erschienen bei MGM/UA/Twentieth Century Fox Home Entertainment im Februar 2013
EAN: 40545167012288 (Blu-ray)


Sonntag, 10. März 2013

Raumschiff SOL in Not

Mehr als zweihundert Jahre ist es her, seitdem Perry Rhodan das Generationsraumschiff SOL den dort geborenen Menschen übergeben hat. Isoliert vom Rest der Menschheit haben sich die Solaner eine eigene Gesellschaftsform entwickelt, die sich auf ein starres Kastensystem stützt. An dessen Spitze steht der sogenannte High Syderit, der mit Hilfe der SOLAG diktatorisch über die rund einhunderttausend Wesen an Bord des Schiffes herrscht. Gleichzeitig wird von ihr auch dafür gesorgt, dass die unteren Kasten sich untereinander nicht grün sind. Dadurch wird die Macht der Brüder und Schwestern der oberen Wertigkeiten gesichert, was diese schamlos ausnutzen. Doch im Jahr 3791 beginnt die Macht des High Syderit zu bröckeln, woran verschiedene Ereignisse schuld sind.

Zum einen ist da die beschädigte Hyperinpotronik SENECA, deren höhere Funktionen stark beeinträchtigt sind. Zwar ist die SOL noch nicht unmittelbar in Gefahr, aber auf lange Sicht könnte sich daraus eine noch unangenehmere Situation entwickeln. Aber solange die SOLAG die Kontrolle über das Generationsraumschiff hat ist kann die eine oder andere Fehlfunktion kompensiert werden. Eine richtige Bedrohung geht von dem System der Sonne Mausefalle aus, speziell von dem Planeten Mausefalle VII. Ein Fangstrahl hat das Generationsraumschiff festgesetzt, aus dem es kein Entkommen gibt. Viele Male hat man vergeblich versucht den Strahl zu durchbrechen, aber die SOL wird weiter unaufhaltsam zu dem Planeten zu gezogen. Ein Schicksal von dem nicht nur das Schiff betroffen ist, sondern auch viele andere Raumschiffe und Asteroiden betroffen sind. Rätselhaft bleibt auch, warum gerade von Mausefalle VII dieser Traktorstrahl ausgeht.

Als die SOL von einem alten Raumschiffwrack passiert wird, kommt noch ein weiterer Faktor hinzu, der die Macht des High Syderit und der SOLAG brechen könnte. Auf dem Wrack erwacht fast überganglos der Arkonide Atlan aus einer Bewusstlosigkeit. Was die letzten rund zweihundert Jahre geschehen ist, weiß er nicht mehr. Seine Erinnerung endet an dem Tag, an dem er von dem Roboter Laire hinter die Materiequellen geführt wurde. Eines weiß er allerdings mit erstaunlicher Präzession: Er muss die SOL im Auftrag der Kosmokraten um jeden Preis nach Varnhagher-Ghynnst bringen. Die Koordinaten des Raumsektors sind fest in dem Gedächtnis verankert, doch der Grund warum er dort hin soll ist verschleiert. Als er auf das Generationsraumschiff gelangt ist er über die dortigen Zustände total entsetzt. Es wird klar, wenn er sein Ziel erreichen will, muss er die Macht der SOLAG brechen. Aber mit seinen derzeitigen Mitteln ist das schwer. Also entscheidet sich der Unsterbliche erst einmal auf der SOL Fuß zu fassen, um sich erst einmal über die Gegebenheiten zu orientieren. Er ahnt dabei nicht wie schnell er in die sich überschlagenden Ereignisse gerissen wird.

Mit Sicherheit gehört der Arkonide Atlan zu den schillerndsten Personen innerhalb des Perryversums. Schon relativ früh nach seinem ersten Auftritt in Band 50 der PERRY RHODAN-Serie entwickelte sich der Zellaktivatorträger zu einem wahren Publikumsliebling. Kein Wunder, denn schließlich befand sich Atlan bereits seit mehr als 10 000 Jahren auf der Erde, und hat die Menschheit bei ihrem Gang durch die Geschichte begleitet, wobei er das ein oder andere Mal unterstützend unter die Arme griff. Atlan entwickelte dadurch relativ schnell ein Eigenleben mit Abenteuern in der Heftserie aus seiner Sicht. Später setzte Hans Kneifel seine Geschichte mit den ATLAN-Zeitabenteuern fort, die dann auch in den richtigen kosmischen Rahmen gesetzt wurden. So wurde aus einem unsterblichen Arkoniden, der auf der Erde gestrandet war, ein Wächter der Menschheit im Auftrag der Superintelligenz ES. Sein Vorhaben wieder auf seinem Heimatplaneten zurückzukehren trat dabei in den Hintergrund. Ab 1969 folgte eine eigene Heftserie, deren Handlung sich zuerst aus SF-Krimiabenteuern der USO zusammensetzte. Die tapferen Agenten den USO, einer von Atlan gegründeten Organisation, bekämpften dort finstere Elemente wie die Condos Vasac, um das Solare Imperium mit zu schützen. Mit den Jugendabenteuern des Arkoniden führte man später einen Handlungsstrang ein, der sich mit den USO-Abenteuern abwechselte. Ab Band 200 erschienen nur noch die die Jugendabenteuer, angelegt als kompletter Zyklus. Einen komplett neuen Kurs schlug man ab Band 300 ein. Mit dem zweihundert Heften umfassenden Atlantis-Zyklus versuchte man die Figur des Atlan mit Fantasyelementen zu verbinden. Gleichzeitig wurde die Serie auch als kleine Autorenschmiede genutzt, um eine neue Generation von Schreibern an PR heranzuführen. Gerade zum Atlantis-Zyklus sind zurückblickend viele Meinungen sehr grundsätzlich, denn von denen einen wird er geliebt, von andern eher verachtet. Tatsache ist allerdings, dass gerade bei diesem Zyklus einen Zuordnung innerhalb des Perryversums sehr schwer ist.

Grundlage für ATLAN – Das absolute Abenteuer ist der ab Band 500 erschiene Zyklus Abenteuer der SOL, bei dem der Startband Die Solaner aus der Feder von William Voltz immer noch zu den wichtigen Schlüsselromanen beider Serien zählt und durchaus mit Der Terraner (PR 1000) vergleichbar ist. Man wagt erneut eine Zäsur, um Atlan wieder etwas mehr ins Perryversum zu integrieren. Als Handlungsschauplatz wählte man die SOL aus, weil man von dieser in der PR-Serie seit der Übergabe an die Solaner gehört hatte. Gleichzeitig wurde nun die Vorgeschichte jenes Handlungsstrangs um das Generationsraumschiff erzählt, der im Zyklus Die Kosmische Hanse der PERRY RHODAN-Serie seinen Abschluss findet.

Sorgfältig überarbeitet von ATLAN-Autor und –Experte Rüdiger Schäfer wird ATLAN – Das absolute Abenteuer in ansprechender Form als Taschenheft präsentiert. Schäfer geht dabei sehr behutsam vor, so dass man die Handschrift der Originalautoren der beiden ersten Romane sofort erkennt. Im ersten Teil stellt Williams Voltz die Weichen für den weiteren Verlauf. Gekonnt gibt er den Handlungsrahmen vor, macht den Leser mit den neuen Gegebenheiten nach rund zweihundert Jahren Isolierung des Generationsraumschiffs vertraut. Der Leser wird mit der Gedankenwelt von Chart Deccon vertraut gemacht, dem amtierenden High Syderit, der sich an seine Macht klammert. Gleichzeitig stellt er aber auch eine neue Variation von Solanern vor, die in PR nur kurz erwähnt wurden: die Buhrlos. Als PR und seine Gefährten die SOL verlassen mussten, wurde der erst der sogenannten Gläsernen geboren. Im Laufe der Zeit haben sich die Weltraumgeborenen zu einer festen Gruppe innerhalb des Schiffes entwickelt, die die Fähigkeit besitzt für längere Zeit ohne Raumanzug im offenen Weltraum überleben zu können. Außerdem versorgen sie die obersten Wertigkeiten der SOLAG mit E-Kick, einer hyperenergetischen Aura, die während des Aufenthalts im offenen Weltraum aufgeladen wird. Nach der Rückkehr in das Raumschiff werden die Buhrlos mit speziellen Geräten quasi gemolken. Eben so eine Gruppe von Gläsernen findet den Arkoniden auch auf der bereits erwähnten verlassenen Raumstation, um ihn dann an mit an Bord der SOL zu nehmen.

Den zweiten Roman des Taschenhefts bestreitet Peter Griese. Er kleidet seine Sicht auf die sozialen Strukturen an Bord der SOL in eine lesefreundliche Kriminalgeschichte, in der Atlan auf jede Menge interessante Charaktere trifft. Zum Beispiel Valara Brackfaust, die Leiterin der Terra-Idealisten. Diese möchten, dass das Raumschiff die an Bord Menschen wieder auf einem Planeten leben lässt oder idealerweise nach Terra zurückkehrt. Natürlich sind ihre Ansichten nicht gerade beliebt bei der SOLAG, weswegen auch Jagd auf sie gemacht wird. Durch Zufall trifft sie dabei auf Atlan und zusammen verstecken sie sich auf einer der zahlreichen Farmen des Schiffes. Dort werden allerdings nicht nur Obst und Gemüse angebaut, sondern auch eine Droge, auf die die Solaner voll abfahren…

So unterschiedlich beide Autoren stilistisch sind, dem Leser werden zwei spannende Romane geboten, die zwar schon über dreißig Jahre alt sind, aber immer noch nichts von ihrem Reiz verloren haben. Rüdiger Schäfers Überarbeitung hat die Essenz der beiden Werke perfekt erhalten, so dass man das Herzblut bemerkt mit dem er hier gearbeitet hat. Um dem ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen wird das Taschenheft noch mit einem sehr ansprechenden Cover von Arndt Drechsler garniert.

ATLAN – Das absolute Abenteuer bringt die Geschichte der Abenteuer der SOL einer neuen Generation von Lesern näher. Aber auch Altleser haben ihren Spaß an der leicht überarbeiteten Version der Originalromane. Raumschiff SOL in Not ist eine sehr lesenswerte Lektüre, mit der man viel Spaß hat. So ist die Reihe, die als Taschenheft, E-Book und Hörbuch erscheint, sehr empfehlenswert und ein absolutes Lesevergnügen mit hohem Suchtfaktor... 

ATLAN – Das absolute Abenteuer
Band 1: 
Raumschiff SOL in Not
von William Voltz & Peter Griese
bearbeitet von Rüdiger Schäfer
erschienen beim Pabel-Moewig Verlag im Januar 2013
als Taschenheft/E-Book
eISBN: 978-3-8453-4753-0

Montag, 4. März 2013

Liebe MITmenschen!



Wer hat sich in Alltagssituationen nicht schon über seine Mitmenschen geärgert? Bestimmt fällt jedem eine Episode ein, in bei der er innerlich den Kopf geschüttelt hat und seinen Frust einfach runtergeschluckt hat.

Autorin Bianca Peiler hat in ihrem Buch fünf typische Beispiele herausgegriffen, in denen sich jeder wiedererkennen wird. Sei es nun, ob es um den ewig kläffenden Köter auf der anderen Straßenseite geht oder um die große Hilfsbereitschaft von normalen Passanten bei einer Zugfahrt. Aber auch die supercoolen Gangsterrapper, die noch zuhause bei Mama wohnen und eigentlich doch ganz brav sind, bekommen ihr Fett ab. Mit einigem Sarkasmus und viel Ironie beschreibt die Autorin bekannte Situationen, an die man eigentlich am Ende des Tages mit etwas innerem Groll zurückdenkt. Dabei legt sie in ihrer offenen Satire viel Witz zutage, über den man sich sehr amüsieren kann.

Das rund vierzigseitige Werk ist im Eigenverlag erschienen und ist über Amazon.de sowohl als E-Book als auch in einer gedruckten Form erhältlich. Auf jeden Fall eine lohnenswerte Lektüre, die einfach nur Spaß macht.

Liebe MITmenschen! – Eine Alltagssatire 
von Bianca Peiler 
Eigenverlag/Amazon Kindle-eBook 
ISBN: 9781480043114 

Dienstag, 26. Februar 2013

HomBuch 2013

So, jetzt erst einmal die Gedanken ein wenig ordnen, Musik auf die Ohren und dann geht’s gedanklich zurück ins Wochenende. Es waren zwei anstrengende, aber auch sehr aufregende Tage, an die ich gerne zurückdenke. Viele alte Freunde habe ich getroffen, neue Kontakte geknüpft. Aber alles der Reihe nach…

Am 23. und 24. Februar 2013 fand im Homburger Saalbau die dritte HomBuch statt. Dabei handelt es sich um eine saarländische Buchmesse, die 2011 aus der Taufe gehoben wurde. Meinereiner hatte das Glück (und auch das Privileg) von Anfang an mit dabei zu sein. Natürlich war ich nicht alleine, denn immerhin gilt es auf einer solchen Veranstaltung den SFC Universum zu präsentieren, der seine Wurzeln immer noch im Saarland hat, auch wenn sich die Mitglieder mittlerweile aus dem ganzen Bundesgebiet, teilweise sogar aus der ganzen Welt rekrutieren. Alles hat 1980 in Schmelz begonnen, wo der SFCU im Jahr 1980 seine Geburtsstunde hatte. Aber das ist eine Geschichte, die an anderer Stelle schon erzählt worden ist…

Bereits 2011 und 2012 hatte der SFC Universum das Privileg sich, seine Publikationen und auch die Romanserie PERRY RHODAN zu präsentieren, einem geneigten Publikum etwas näherzubringen. So stand es für uns auch außer Frage, dass wir auch 2013 teilnehmen würden. Die dritte Auflage der HomBuch sollte allerdings unter etwas anderen Umständen stattfinden. Zum ersten Mal sollte sie über zwei Tage gehen. Außerdem wurde mit dem Saalbau in Homburg ein sehr zentraler Austragungsort gewählt, der auch über die Stadt hinaus bekannt ist. Fern ist es dem Veranstalter Ulrich Burger und seinem Team gelungen zahlreiche Autoren für Lesungen zu gewinnen, darunter auch sehr bekannte Namen wie Wolfgang Hohlbein, Markus Heitz, Bernd Perplies und viele andere. Hinzu kam noch eine ausgewogene Riege von Ausstellern aus allen möglichen Buchrichtungen. Auch jede Menge Werbung wurde gemacht, was der Veranstaltung später sehr zugute kam.

Schon im Vorfeld kristallisierte sich auch die Mithilfe des SFCU bei einigen organisatorischen Problemen heraus. Vor allem Helfer schienen Mangelware zu sein; speziell den Einsatz an der Kasse hatte Ulrich für uns im Auge. Nun, Erfahrung hat der harte Kern des SFCU mit größeren Veranstaltungen schon. So waren wir bei einigen Cons schon mit dabei, aber auch den ein oder anderen PERRY RHODAN Weltcon konnten wir mit Helfern versorgen, wie beispielsweise 2011 bei dem Jubiläumscon im Mannheimer Rosengarten.

Eben weil ich mit in die HomBuch eingebunden war, habe ich nicht viel von den Lesungen mitbekommen. In der Tat habe ich nur zwei Stück besuchen können, aber der Dienst geht vor. Dafür hat das Team an der Kasse, dass auch von Schülern aus dem Saarpfalz-Gymnasiums unterstützt wurde, mehr als 800 Tagesgäste in die Räumlichkeiten geschleust; Vorverkäufe und Freikarten nicht mitgerechnet. Ich persönlich habe, bis auf eine oder zwei Ausnahmen, durchweg nur gute Erfahrungen mit dem Publikum gemacht. Und was die Ausnahmen betrifft… Bedingt durch meinen Job habe ich mir beim Umgang mit Menschen ein etwas dickeres Fell angewöhnt. Also etwas, was man hier auch durchaus anwenden konnte. :-)

Ein wichtiger Punkt bei der HomBuch, den ich sehr schätze, ist der oft etwas familiäre Charakter. Die großen Buchveranstaltungen, beispielsweise in Leipzig oder Frankfurt, sind oft zu groß und anstrengend um mal mit einen Kreativen einen kleinen Plausch zu halten. Auch können es sich nicht viele Kleinverlage leisten auf diese Events zu gehen. Zum Glück gibt es aber auch lokale Buchmessen, wie die HomBuch, wo man sich die nötige Zeit nehmen kann Dinge kennenzulernen, an denen man andernfalls einfach vorbei gehen würde. Es werden Lesungen von großen und nicht ganz so großen Angeboten, was ebenfalls einen großen Reiz hat. Auch die Präsentation des SFCU Samstags war eine neue Erfahrung für mich, auch wenn, bis auf zwei Ausnahmen, die üblichen Verdächtigen anwesend waren.

Aber es wurden nicht nur Bekanntschaften gepflegt, es gab auch genug Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen, neue Menschen kennenzulernen, die die Liebe zu Büchern in allen Spielarten und Formen teilen. Man kommt sich so nicht ganz so verrückt vor wie sonst, wenn man mit „normalen“ Menschen zusammen ist. Fachsimpeln mit Gleichgesinnten, diskutieren über alles Mögliche, auch über Bücher. Tja, und dann sind noch die Autoren, mit denen man sich vielleicht unterhalten kann, wenn diese ihre Werke signieren.

Für den ein oder anderen mag sich das jetzt vielleicht etwas zu überschwenglich anhören. Aber diejenigen sollten sich vielleicht auf der HomBuch 2014 selbst ein Bild machen. Die HomBuch ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Vielleicht sieht man sich ja im nächsten Jahr. Wäre doch eine Sache, oder?

Samstag, 9. Februar 2013

Nick Knatterton - Alle aufregenden Abenteuer in einem Band



Nick Knatterton will eigentlich einen ganz ruhigen Abend verbringen als unerwartet das Telefon klingelt. Ein spitzer Schrei am anderen Ende der Leitung lässt die Vermuten zu, dass es sich um einen neuen Fall für den Meisterdetektiv handelt, was noch durch einen durchs Fenster geworfenen Stein und einen Pistolenschuss in seinen künstlichen Hinterkopf aus Hartholz unterstrichen wird. Grund genug also für Nick sich mit der Entführung von Evelyn Nylon durch finstere kriminelle Elemente zu interessieren…

So beginnt, grob gesagt, das erste Abenteuer des Meisterdetektivs aus der Feder von Manfred Schmidt, der damit nicht nur dem Magazin in Zukunft eine hohe Auflagenzahl beschert hat, sondern auch bis Ende der 50er Jahre im wöchentlichen Rhythmus weitere Strips mit den Erlebnissen Knattertons veröffentlichen wird. Inspiriert wurde Schmidt dabei eindeutig von Sherlock Holmes und den zahlreichen Agentengeschichten, die in den 50er Jahren viele Leser fesselten. Bereits einige Zeit bevor Ian Fleming im englischen Sprachraum mit seiner Schöpfung James Bond für Furore sorgte, bedient sich Knatterton bereits zahlreichen Gadgets aus seinem nicht gerade kleinen Repertoire. Aber die Technik allein macht keinen Helden, denn Nick verlässt sich mehr auf seinen messerscharfen Verstand sowie auf seine physische Konstitution, mit der er manchen Gangster ins Land der Träume schickt. Hinzu kommt natürlich auch sein Schlag bei Frauen, von denen keine so richtig böse auf ihn sein kann.

Nach eigenen Angaben wurde Manfred Schmidt hauptsächlich durch die von den Amerikanern importierten Comicheften wie Superman beeinflusst. Zwar hat er bei Nick Knatterton auf jegliche Superkräfte verzichtet, aber dennoch hat er sich stark am Erzählstil seiner US-Kollegen orientiert. Auch Parallelen zu Detektiven wie Dick Tracy sind eindeutig erkennen; nicht zuletzt auch am markanten Profil der beiden Helden. Was ihn allerdings von seinen Vorbildern unterscheidet ist der zarte Einsatz von Erotik in seinen Geschichten. Alle seine weiblichen Figuren zeichnen sich durch gut verteilte Proportionen aus und mit gekonntem Strich verpasst er ihnen nette Dekolletés, die im prüden Deutschland des Wirtschaftswunders für den ein oder anderen kleinen Skandal sorgten. Einmal war Manfred Schmidt sogar gezwungen seine Zeichnungen zu „entschärfen“, was er sehr geschickt machte. Die eigentliche Intension einer Landschaft, die bei genauem Hinschauen einer nackten Frau nahe kam, blieb erhalten.

Klar, mit solchen Kleinigkeiten kann man heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken, dennoch versprühen die insgesamt 18 in sich abgeschlossenen Geschichten immer noch eine Menge Humor für den geneigten Leser. Dabei werden sogar einige Ideen vorweg genommen, von denen viele heute als gängige Klischees gelten. Aber Nick Knatterton ist nicht nur ein Comicstrip, der wöchentlich in einer Illustrierten erschienen ist. Vielmehr stellt er eines der ersten großen Comicphänomene in der jungen Bundesrepublik dar.

Schon nach zwei Jahren hatte sich die Serie zu einem richtigen Medienknaller entwickelt. Das Gesicht Knattertons zierte zahlreiche Merchandiseartikel wie Masken, Bausätze, Anzeigen und viele andere Dinge. Es wurde sogar ein Kinofilm mit Karl Liefen und Gerd Fröbe gedreht, der allerdings nicht wenig mit der Vorlage gemein hatte. Lange Zeit später produzierte Manfred Schmitt selbst noch eine Zeichentrickserie rund um den Meisterdetektiv, in der die bekannten Abenteuer einer neuen Generation bekannt gemacht wurden.

Im Verlauf der 50er Jahre hatte Schmidt mehrmals versucht sich von Knatterton zu lösen, leider mit wenig Erfolg. Nach seinen eigenen Worten kam ihm seine Psyche zur Hilfe, denn irgendwann verweigerte seine Zeichenhand den Dienst den Meisterdetektiv zu Papier zu bringen. 1958 erschien in Quick dann auch das letzte Abenteuer von Nick Knatterton, womit auch das Phänomen langsam ein Ende fand. Aber richtig vergessen wurde er eigentlich nie…

Die Gesamtausgabe aus dem Lappan Verlag vereinigt alle Abenteuer Knattertons in einem Band, wobei man sich hier an den zahlreichen Ausgaben aus anderen Verlagen bediente. Neben einem sehr interessanten Vorwort von Manfred Schmidt, in dem er auf subtile Weise auf seine Schöpfung eingeht, werden die Strips in einer Größe geboten, die dem sehr detailverliebten Stil des Zeichners gerecht werden. Der Humor mag ein wenig angestaubt sein, die eindeutigen Zweideutigkeiten aus heutiger Sicht etwas naiv, aber dennoch haben die Strips nichts von ihrem Flair verloren. Vielmehr muss man feststellen wie sehr Schmidts Nick Knatterton als Vorbild für viele andere deutsche Comiczeichner gedient hat. An dem Meisterdetektiv kommt man eben nur schwer vorbei, auch wenn er vielleicht heute nicht mehr so bekannt ist wie in den 1950ern. Lesenswert ist er immer noch.


Nick Knatterton
Alle aufregenden Abenteuer des berühmten Meisterdetektivs
von Manfred Schmidt
erschienen im Lappan Verlag in den Jahren 2007 & 2012
ISBN: 978-3-8303-3152-0

Samstag, 26. Januar 2013

Der Schwarm


Zuerst fängt alles ganz harmlos an. Vor der Küste Perus verschwinden auf merkwürdige Weise Fischerboote auf eine unerklärbare Weise. Dann registrieren Tiefseeforscher, die für eine große Ölfirma arbeiten, eine neue Art von Würmern, die sich bevorzugt in Methanhydratvorkommen hineinbohren. Vor der amerikanischen Küste zeigen Wale, die sonst eher umgänglich sind, ein für Menschen aggressives Verhalten bzw. beginnen größere Schiffe anzugreifen. Gleichzeitig schleppen merkwürdige Krebse eine seltsame Krankheit nach Europa und später auch in die USA ein, die absolut tödlich ist und für die es kein Heilmittel zu geben scheint. Nachdem eine gigantische Flutwelle über Nord- und Mitteleuropa gerollt ist steht fest, dass hinter diesen Ereignissen kein Zufall stecken kann. Es scheint fast, als ob jemand mit einem Funken Intelligenz hinter dem Ganzen stecken könnte. Einige einflussreiche Amerikaner vermuten gar, dass eine neue terroristische Vereinigung für alles verantwortlich wäre, doch die wahre Antwort, die in der Tiefsee steckt, wirft alles über den Haufen, was die Menschen je zu wissen geglaubt haben...

Keine Frage, zurückblickend hat sich Frank Schätzings Wissenschaftsthriller seit seinem Erscheinen im Jahr 2004 zu einem Bestseller entwickelt. Schon nach verhältnismäßig wenigen Seiten muss man den Autor zugutehalten, wie intensiv er seine Recherchen geführt hat. So schildert er den Betrieb der Geologen und anderen Wissenschaftlern sehr realistisch und gibt auch seinen anderen Figuren, egal ob sie große oder kleine Rollen spielen, einen sehr persönlichen Touch. Weiter treibt er auch einen Spannungsaufbau voran, dessen erster Höhepunkt unbestritten die sehr plastische Schilderung eines Super-Tsunamis ist, der über das nördliche Europa hinwegfegt. Aber was Schätzing so brillant in den ersten zwei Dritteln seines Romans an den Leser bringt, im letzten Teil beginnt ein quasi unverständlicher Verfall der Handlung. Eine Sache, die man sich eigentlich nicht richtig erklären kann. Er hat nun allen wichtigen Protagonisten an einem Ort zusammengebracht, an dem sie an der Lösung des eigentlichen Problems arbeiten können. Doch statt die eigentliche Story voranzutreiben ergeht sich Schätzing in allzu gängigen Klischees, wie beispielsweise die Schilderung der amerikanischen Kommandeurin. Sie treibt zwar ein doppeltes Spiel, könnte aber von ihrer eindimensionalen Charakterisierung hier durchaus aus einem Soap Opera stammen. Spätestens nach dem Angriff auf das umgebaute Schiff der Wissenschaftler gelingt es Schätzing dann auch meisterlich den sonst guten Roman im wahrsten Sinne des Wortes zu Grunde zu richten. Letztendlich wird dem Leser dann eine Auflösung geboten, bei der man sich fragt, warum man die über 1000 Seiten Roman auf sich genommen hat.

Ob Der Schwarm allgemein überbewertet ist muss der Leser selbst entscheiden. Tatsache ist allerdings, dass Frank Schätzing für einen Großteil seines Romans eine glaubwürdige Darstellung der Ereignisse liefert und einen Wissenschaftsthriller aufbaut, der den Bestsellern eines Michael Crichton  recht nahe kommt. Das einzige große Problem besteht mit einem sehr unausgegorenen Ende, das dem Gesamtbild fast den Todesstoß versetzt. 

Der Schwarm 
von Frank Schätzing
Hardcover erschienen im Jahr 2004 bei Kippenheuer & Witsch
Taschenbuch erschienen beim Fischer Taschenbuchverlag im Jahr 2005 
ISBN (Hardcover): 978-3-462-03374-3 
ISBN (Taschenbuch): 978-3-596-16453-0